Lange habe ich mich gedanklich damit auseinandergesetzt welche Umstände oder Ereignisse Menschen zu irrationaler, rücksichtsloser Brutaliät treibt, bis ich Dolorosa traf. Zur Erklärung: Dolorosa ist eine sehr gute Bekannte von mir, deren Leidensweg ich hier auszugsweise schildern möchte. Seltsamerweise betreffen gesundheitliche Defizite, wie das im Folgenden beschriebene, ja Gott sei Dank immer nur Bekannte und nie einen selbst- wär ja auch irgendwie peinlich!
Dolorosa ist von ihrem Wesen her einer der friedliebensten Philanthropen, die ich kenne. Sie ist immer hilfsbereit, überlässt ihren Sitzplatz gesittet älteren oder behinderten Personen und lässt Leute die es eilig haben an der Kassa vor. Darüber hinaus erfreut sie sich bezüglich ihres Phänotypen sehr guter Gene und eines Gesichtes, das nicht nur zu Halloween gesellschaftliche Akzeptanz findet. Sie ist Mitte zwanzig, sportlich und trägt meistens ein Lächeln auf den Lippen. Kurzum eine Person die, wenn sie nicht so liebenswert wäre, jeder beneiden würde.
Doch dann gibt es Tage, ja manchmal sogar Wochen, wo sich dieses zarte, arglose Geschöpf von heute auf morgen in den Hulk verwandeln kann. Kaum wiederzuerkennen wirft sie sich dann in H&M Schlussverkaufsgetümmel oder Hofer-Sonderangebotstage nur um ein paar Menschen ungestraft eine mitgeben zu können oder “versehentlich” jemanden mit dem Einkaufswagen anzufahren.
Warum? Werden sich viele von euch fragen. Was passiert dann mit ihr? Und ich glaube, diesem Phänomen liegt das Selbe zu Grunde wie all den “schlechten” Menschen die sich von unscheinbaren Mitbürgern in Amokläufer oder happy slapper verwandeln.
Hämorrhoiden!!!
Ein oftmals sehr ungefährliches Krankheitsbild, dass seinem Träger mehr Leid bescheren kann als mit nacktem Hintern Glassplitter aufzusammeln und diesen dann in einem Salzbad auszuwaschen. Die Toilettentür kann schnell zur Pforte der Hölle werden und Holzsessel zum Nagelbett. Ein ständiger stechender, quälender Schmerz der die Lebensqualität weit unter die Grenze des Lebenswerten rasseln lässt und das Schlimmste daran: “Kein Mitleid!!!”…. denn wem will man davon schon erzählen?
Dolorosa hat davon erzählt- und zwar laut, sehr laut….
Eines unlebenswerten Hämorrhoiden-Tages, als sie sich, nach zwei Stunden größter Anstrengungen zur Wahrung einer gewissen Grundcontenance, in ein Lebensmittelgeschäft wagte um die täglichen Besorgungen zu machen und endlich, ihre Arme mit viel zu vielen Waren beladen um sie lange halten zu können, an der Kassa stand, hüpfte ein laut brüllendes Balg vor ihr auf und ab. Das Kind verteilte die Einkäufe seiner Mutter so auf dem Förderband, dass es unmöglich war als nächster Kunde seine Waren abzuladen und brüllte dabei, ohne Luft zu holen, lautstark:”Mama, darf ich das, darf ich das, darf ich das? (und zeigte auf ein Produkt in diesen Bauernfängerischen Kassensüßigkeitenständern). Nachdem die Kassiererin auch noch aus unerfindlichen Gründen aufstand, ihren Platz verließ und keine Anstalten machte die wartende Kundschaft darüber in Kenntnis zu setzen wann und ob sie wieder käme, wurde Dolorosa endgültig zum Hulk. Sie warf die Fracht auf ihren Armen auf das Förderband unter die Produkte die das Balg zuvor so dekorativ und hinderlich platziert hatte und schrie: “Das heißt: Darf ich das HABEN!!! und wenn du jetzt nicht sofort still bist, ….” Da fiel ihr die empörte Mutter ins Wort:”Was bilden sie sich ein? Wir müssen hier alle warten, aber das ist noch lange kein Grund….” Dolorosa schnitt ihr das Wort ab:”Ich habe Hämorrhoiden!!!”
Betretenes Schweigen- langes betretenes Schweigen, gepaart mit kollektivem Kopfsenken. Bis die Kassiererin zurückkam. Wobei auch dann nicht viel geredet wurde. Beim Einpacken ihrer Einkäufe kam auf einmal eine Kundin, die offensichtlich weiter hinten in der Schlange gestanden und alles genau mitbekommen hatte, auf Dolorosa zu und drückte ihr freundlich lächelnd einen Zettel in die Hand auf dem “******- Creme” (wir wollen hier ja keine Werbung machen) zu lesen stand. Milde lächelnd meinte die Frau nur: “Das hilft” und verschwand.
Da kam Dolorosa ein sehr aufschlussreicher Gedanke: Könnte es sein, dass Wien nicht die Stadt der Grießgräme und rücksichtslosen Menschenhasser ist, sondern bloß eine Gegend mit einer überdurchschnittlichen Quote an Hämorhoidenträgern?
Auf jeden Fall hilft es sich vorzustellen, dass wohl alle Mießepeter, die einem täglich so über den Weg laufen beim Kacken tausend Tode sterben!
In diesem Sinne, liebe Leidensgenossen von Dolorosa, vielleicht ist es doch legitim den Grund für den schlechten Gemütszustand offen auszusprechen- ihr werdet auf Verständnis stoßen- versprochen!
P.S.: TIPP: Was Dolorosa wirklich geholfen hat, waren Eiszäpfchen.
Tags: Gesundheit, Hämorrhoiden, Schmerzen
Dezember 10, 2008 um 1:53 pm
Hallo, wie geht es Dolorosa jetzt?